Eurofax 63 (Dezember 1997)

Deutsche Version

Eurofax ist der monatliche Informationsbrief der Europaregion. Er wird produziert vom European Scout Office und wird per Fax an alle Mitgliedsverbände der Europäischen Pfadfinderregion und der Europaregion von WAGGGS sowie an andere Stellen verteilt. Diese Textversion wird als ein zusätzlicher Service für Mitglieder verteilt. Eine Vervielfältigung von Artikeln ohne Veränderungen ist erwünscht, aber auf Eurofax als Quelle der Information sollte verwiesen werden.

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Weltjugendorganisationen starten Erziehungsinitiative für das kommende Jahrtausend

Die Vorsitzenden von fünf der größten weltweit agierenden außerschulischen Erziehungsorganisationen haben ihre Sicht einer künftigen Arbeit im Bereich der außerschulischen Erziehung junger Menschen an der Schwelle des nächsten Jahrhunderts ausgetauscht und veröffentlicht.

Die Weltallianz des Christlichen Vereins junger Männer (YMCA), der Weltverband des Christlichen Vereins junger Frauen (YWCA), die Weltorganisation der Pfadfinderbewegung (WOSM), der Weltverband der Pfadfinderinnen (WAGGGS) und die Internationale Föderation der Vereinigungen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds bringen es heute zusammen auf über 100 Millionen jungen Menschen als Mitglieder. Zusammengenommen haben sie in diesem Jahrhundert zur Erziehung von über einer Milliarde junger Menschen beigetragen.

Die Vorsitzenden dieser Organisationen sind der Auffassung, daß es notwendig ist, die allgemeine Gültigkeit außerschulischer Erziehung junger Menschen anzuerkennen. Zweck von Erziehung ist es im großen und ganzen, zur vollständigen Entwicklung eines selbständigen, hilfsbereiten, verantwortungs- und pflichtbewußten Menschen beizutragen. Erziehung geschieht auf unterschiedliche Arten: formal (z.B. durch die Schule), informell (z.B. durch Familie, Medien und in der Gruppe) und außerschulisch (z.B. durch Jugendbewegungen und Organisationen). Alle diese Arten der Erziehung ergänzen sich gegenseitig und besitzen eine wechselseitige Abhängigkeit, jedoch ist es heutzutage ein größeres Problem, daß mit dem wachsendem Leistungsdruck junger Menschen die sehr oft formale, akademische Ausbildung als der einzig wesentliche Teil der Erziehung gesehen wird. Daher wird die außerschulische Erziehung, die bestens dafür gerüstet ist, junge Menschen darauf vorzubereiten, wie man mit sozialen Veränderungen umgeht, sowie der Nutzen dieser Erziehung oftmals unterschätzt.

Unter dem Vorsitz Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs von Edinburgh, dem Vorsitzenden der International Award Association, kamen die Vorsitzenden der Organisationen zusammen, um ihre Sichtweise einer Erziehung junger Menschen heute und mit Blickrichtung auf den Übergang in ein neues Jahrhundert zum Ausdruck zu bringen. In den kommenden Monaten wird diese Erklärung, die den Titel 'Die Erziehung junger Menschen - eine Erklärung am Vorabend des 21. Jahrhunderts' trägt, Führungspersönlichkeiten der Welt wie Federico Mayor von der UNESCO und Emeka Anyaoku, dem Generalsekretär des Commonwealth, persönlich vorgestellt werden.

Kopien der Erklärung, die in englisch, französisch, spanisch und arabisch veröffentlicht wurde, wurden an alle nationalen Verbände verteilt. Weitere Kopien sind beim Weltpfadfinderbüro und beim Weltbüro von WAGGGS erhältlich.

Entwicklung der europäischen Staatsbürgerschaft, 01. bis 08. März 1998

Europa ist gleichzeitig altertümlich und modern. Sein Name mag 25 Jahrhunderte alt sein, aber das Gebiet ist immer noch im Entwicklungsstadium. Wird unser 'altes Europa' in der Lage sein, die Herausforderungen, denen es sich heute gegenüber sieht, anzunehmen? Wird sein hohes Alter eine Quelle der Festigkeit oder der Schwäche sein? Wird seine Geschichte es ihm erleichtern, einen Platz in der modernen Welt zu finden?
Jacques LeGoff

Sind dies Fragen, die wir uns als Pfadfinderinnen und Pfadfinder stellen sollten und werden die Antworten, die wir finden, zu einer Entwicklung Europas beitragen? Ziel dieses Seminars ist es, zu erkennen, wie die Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbewegung dazu beitragen kann, die europäische Staatsbürgerschaft zu entwickeln und wie das Pfadfindertum dazu beitragen kann, die auftretenden Veränderungen zu handhaben. Angesprochen sind Leiter auf nationaler und regionaler Ebene, die im Bereich der Programmentwicklung, der Leiterausbildung oder der Förderung und Entwicklung der Pfadfinderinnen- und Pfadfinderarbeit in ihrem eigenen Land arbeiten. Der Europarat wird diese Veranstaltung, die im Europäischen Jugendzentrum in Budapest stattfinden wird, fördern und unterstützen. Das Europäische Jugendzentrum ist der ideale Ort für dieses Seminar. Einladungen und Anmeldeformulare wurden an alle Mitgliedsorganisationen verschickt. Das Planungsteam freut sich, wenn Eure Anmeldungen bis zum 15. Januar 1998 eingegangen sind.

Europe For You!-Seminar vom 18. bis 24. April 1998

Zum Thema 'Europe For You!' wird vom 18. bis 24. April 1998 in Pappenheim in Deutschland ein Europaseminar stattfinden. Ziel des Seminars ist es, eine Einführung in das Programm 'Europe For You!' zu bieten, um die Erstellung neuer EuroSteps zu fördern und die Qualität bestehender Projekte zu verbessern. Folgende Themen wird das Seminarprogramm enthalten: Analyse der Bedürfnisse junger Menschen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren in verschiedenen Ländern; Austausch von Ideen und Erfahrungen zu existierenden EuroSteps; Beurteilung laufender Projekte und Entwicklung neuer Projektideen und -materialien. Die Teilnehmer sollten Mitglieder nationaler Programmteams sein, die verantwortlich sind für die Entwicklung für Programme für junge Menschen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren, und sie sollten Organisatoren von EuroSteps sein. Sie sollten sich verpflichtet fühlen, EuroSteps in ihrem eigenen Land zu entwickeln und zu unterstützen. Für diese Veranstaltung gibt es keine Altersbegrenzung. Arbeitssprache wird Englisch und Französisch sein. Die Einladung wird mit dem nächsten Europak versandt.

Europäisch-arabisches Treffen

Das 3. europäisch-arabische Treffen fand vom 25. bis 30. Oktober in Kuwait statt. 46 Personen, die 23 Pfadfinderverbände ebenso wie die Weltebene, die Europaebene, die arabische Ebene einschließlich des Weltpfadfinderkomitees, des europäischen und des arabischen Pfadfinderkomitees, des arabischen und des europäischen Pfadfinderbüros sowie die Arabische Union ehemaliger Pfadfinder und Pfadfinderinnen repräsentierten, nahmen daran teil. Man war sich einig über den Austausch von Erziehungsmaterialien wie über gegenseitige Einladungen zu Jugendveranstaltungen und Kursen der Leiterausbildung. Weiterhin bestand Einigkeit über die Zusammenarbeit, um die Bedürfnisse junger Menschen ethnischer Gemeinschaften in beiden Regionen besser befriedigen zu können. Einige Verbände nutzten das Treffen, um neue bilaterale Partnerschaftsabkommen zu schließen oder existierende Abkommen zu überprüfen. Ein europäisch-arabisches Treffen für junge Leute im Alter zwischen 16 und 22 Jahren findet vom 01. bis 10. August 1998 in Tunesien zum Thema Küstenschutz statt. An dem Treffen in Kuwait nahmen Pfadfinder aus Österreich, Belgien, Dänemark, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Kuwait, dem Libanon, Marokko, den Niederlanden, Qatar, Saudi Arabien, Spanien, Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten teil.

Informelle Netzwerke

Vom 07. bis 09. November trafen sich das 'Nord-Süd-' und das 'Overture'-Netzwerk in Toulouse in Frankreich. Gastgeber waren die Scouts Musulmans de France. 42 Vertreter von Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbänden aus elf Ländern (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien) nahmen teil. Die beiden Netzwerke begannen ihre Arbeit mit einer gemeinsamen Sitzung, um die Teilnahme am Global Development Village auf dem nächsten Weltpfadfinderjamboree zu besprechen. Die meisten der Anwesenden brachten ihre Absicht zum Ausdruck, Workshops, Informationsstände oder Aktivitäten im GDV durchzuführen. Hauptthemen auf der Tagesordnung des Overture-Netzwerks waren die Vorbereitungen auf das Europaseminar über jugendliche Randgruppen und den Austausch von Strategien und Hilfsmitteln, um das Pfadfinderinnen- und Pfadfindertum unter ethnischen Gemeinschaften zu fördern. Die erste Ausgabe des Overture-Informationsbriefs wurde erstellt. Das Nord-Süd-Netzwerk besprach die Arbeit, die von den teilnehmenden Verbänden auf dem Gebiet der Friedenserziehung gemacht wird. Einige Themen wurden sehr gründlich in Kleingruppen untersucht, darunter die Friedenskreuzfahrt im Mittelmeer, der Aktionsplan des Koordinationskomitees der Pfadfinderverbände der Great Lakes Region in Afrika, Partnerschaften auf Pfadfinderebene im Zusammenhang mit Partnerstädten , Jugendaustausch und Schulung. Das nächste Treffen ist vom 20. bis 22. März 1998 in Portugal geplant. Gastgeber wird der Verband Corpo Nacional Escutas sein.

Seminar über jugendliche Randgruppen

29 Teilnehmer aus 18 Verbänden in zwölf Ländern nahmen vom 22. bis 28. November 1997 an diesem Seminar in Ranmoor Hall in Sheffield (Großbritannien) teil. Ziel des Seminars war es, nationale Verbände zu ermutigen, Chancengleichheit für alle jungen Leute zu fördern und innovative Arbeit mit benachteiligten jungen Leuten auszuprobieren. Der Inhalt des Seminars konzentrierte sich auf die Bedürfnisse junger Menschen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren in großen Städten und Provinzstädten, die wegen ihres sozio-ökonomischen und ethnischen Hintergrunds eingeschränkten Zugang zu Erziehung, Arbeit und Verantwortung in der Gesellschaft haben. Das Seminar gab den Teilnehmern die Möglichkeit, unterschiedliche Ansätze der Jugendarbeit auszutauschen, Projekte in verschiedenen Ländern zu vergleichen, Hilfsmittel zur Verbesserung der Jugendprogramme, der Gewinnung erwachsener Mitarbeiter und Hilfsmittel zur Unterstützung oder Gründung von Gruppen in neuen Bereichen zu analysieren. Ebenso hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, einige ethnische Gemeinschaften und Pfadfinderinnen- und Pfadfindergruppen in der näheren Umgebung zu erkunden. Der Bericht über das Seminar wird Empfehlungen über Folgeaktivitäten bei den nationalen Verbänden enthalten.

Weltbürgerpreis von WAGGGS

Mary Robinson, Hochkommissarin für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen, hat den Weltbürgerpreis von WAGGGS erhalten. Sie wurde wegen ihrer weltweiten Arbeit auf humanitärem Gebiet und ihrer Entschlossenheit, den Friedensprozeß in Nordirland zu fördern, ausgewählt. Dies ist erst das zweite Mal, daß dieser Preis von WAGGGS verliehen wurde. Die erste Auszeichnung dieser Art ging an Nelson Mandela. Der Preis wurde Frau Robinson im Rahmen des Starts des Projekts 'Entwicklung der Weltbürgerschaft - die WAGGGS-Perspektive', eines Projekts, das im Verlauf der nächsten sechs Jahre die treibende Kraft hinter dem Pfadfinderinnentum sein wird, verliehen.

Das Schlußwort

Jugendorganisationen mit Erziehungsauftrag bieten Möglichkeiten, eine echte Partnerschaft zwischen jungen Menschen und Erwachsenen herzustellen in einer Situation, in der beide als ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind und erkennen, daß sie voneinander lernen können. Diese Partnerschaft bedeutet gegenseitige Wertschätzung und gegenseitigen Respekt. Es gibt sehr wenige Orte, an denen eine derartige Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sich auf nicht autoritäre Weise entwickeln kann; freiwillige Jugendorganisationen sind die bedeutsamsten Orte dieser Art.
Die Erziehung junger Menschen - eine Erklärung am Vorabend des 21. Jahrhunderts

Übersetzt von Kai Driesch (Kai_Driesch@compuserve.com) - VCP

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von Martin Schulze, m.schulze@scout.net, erstellt am 12. Dezember 1997
http://www.scouts.de/news/eurofax/63.htm